Da kann man nur den Kopf schütteln ...

Heute fand ich folgenden Brief in der Post, Absender: "Literarisches Atrium der Meister-Akademie für Künste und Wissenschaften zu Husum e.V." mit Sitz in 25344 Glücksstadt.  
 
"Einladung zur Teilnahme am Referenzbuchprojekt [...]
 
Liebe Autorin, lieber Autor,
 
im letzten Jahr nahmen Sie erfolgreich an unserem Autorenwettbewerb "Ludwig" teil und gelangten mit Ihrem Beitrag in die vorderen Reihen. Heute laden wir Sie ein, Ihr Werk in unserem nunmehr entstehenden Sammelband einem größeren und kompetenteren Publikumskreis vorzustellen. [...] Wir möchten das Referenzbuch - Arbeitstitel "Ludwig" - noch in diesem Jahr und möglichst bald herausbringen. Es findet seinen Weg in diverse renommierte Verlage ist dann auch ihr Entree für Ihren Kurs in Richtung professionellen Schreibens. [...]
 
Ich reserviere Ihnen ab heute einen Platz für Ihr Werk [...]. Wir [...] sind aber kein Verlag und keine Druckerei, sondern ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der seit nunmehr 25 Jahren existiert. [...] da wir keine staatlichen Subventionen in Anspruch nehmen [...] ist unsere Finanzdecke äußerst gespannt.  
Deshalb bitte ich Sie heute gleichfalls um einen einmaligen Solidaritätsbeitrag in Höhe von 115,60 Euro. Diese Summe enthält den Beitrag für Ihre Gastmitgliedschaft [...] sowie anteilige Kosten für Vorproduktion und Versand.  
 
Die Kosten für Druck und Herstellung übernehmen wir.  
Wir würden uns in Ihrem Interesse über ihr Engagement freuen, denn Referenzbände erstellen wir nicht für uns, sondern als kreative Gemeinschaftsinitiative zum Zweck der Vorstellung neuer Talente. [...]"
 
Sehr schön auch der Handzettel, der dem Brief beilag, und in dem die angeblichen Vorteile so eines "Referenzbandes" gepriesen werden:  
 
"Ihr Schlüssel für die Verlegertür: DIE EMPFEHLUNG eines anderen."
 
Ein paar Stellen daraus:  
[...] "Wie gelangt man durch eine Verlegertür, wenn man vorher x-mal abgewiesen wurde? [...] Unser Referenzbuch bietet die bisher einzigartige Möglichkeit, sich ohne eigene Mühe bei verschiedenen seriösen Verlagen vorzustellen.  
 
[...] Interessierte Verlage können sich so direkt und ohne Umweg mit [...] denjenigen in Verbindung setzen, deren Schreibtalent zusagt. Der Referenzband ist quasi ein kleiner Katalog, aus dem ausgesucht werden kann.[...]Er wird in den Verlagshäusern als Nachschlagewerk eingestellt. [...]
 
Und so weiter, und so fort.
 
Ich bin sicher die Letzte, die sich engagierten Fördervereinen in den Weg stellen will, aber ich habe den Eindruck, hier wird mit den Hoffnungen unerfahrener Autoren gespielt  - von der Verlagspraxis, Autoren nach "Referenzbänden" auszusuchen, die aus zusammengeschusterten Wettbewerbsbeiträgen bestehen, für deren Veröffentlichung die Autoren bezahlt haben, habe ich jedenfalls noch nie etwas gehört. Lasse mich natürlich gerne belehren  Augenrollen
 
Abgesehen davon, dass ich nicht im Traum daran denke, für die Veröffentlichung der halbseitigen Trashsatire, die ich damals just for fun verfasst und abgeschickt habe, auch noch Geld hinzulegen (das gilt natürlich auch für jede andere Veröffentlichung), frage ich mich mittlerweile nicht zum ersten Mal:  
 
Wer oder was steckt eigentlich hinter dem Literarischen Atrium? Es gibt keine Homepage, keine E-Mail-Adresse.
 
 
Wie dem auch sei, eins ist klar: Sobald man für die eigene Veröffentlichung zahlen "darf", Finger weg.

Egal, mit welchen angeblich edlen Motiven die Beitragserhebung gerechtfertigt wird. 

14.6.08 17:03

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


doris (14.6.08 23:00)
Bin auf Eure Seite gestoßen, weil ich eben wissen wollte, was es mit diesem Literarischen Atrium auf sich hat. Ich wäre nämlich auch im Kreis der Erlauchten. Aber zahlen will ich natürlich auch nicht.
Gruß
Doris


(15.6.08 17:22)
Hallo Doris,

das geht wohl schon länger so & wird systematisch betrieben, schau mal hier:

http://autorenforum.montsegur.de/cgi-bin/yabb/YaBB.pl?num=1208903849

Gruß,
Sabine

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